Yiwu Liao

Liao Yiwu wurde am 4.8.1958 in Yanting, Provinz Sichuan, in der Volksrepublik China geboren, am Vorabend der Großen Hungersnot (1959–1961), die ihn fast das Leben kostete. Kurz vor seiner Einschulung brach die Kulturrevolution aus, in deren Verlauf Liaos Familie in alle Winde zerstreut wurde. Der Vater, als Konterrevolutionär angeklagt, ließ sich zum Schutz der Familie scheiden. Die Mutter zog mit Liao und seiner jüngeren Schwester ohne Umzugserlaubnis zu einer Tante nach Chengdu. Liao lebte jahrelang ‚schwarz‘, also ohne Meldeschein. Nach dem Ende der Kulturrevolution 1976 schaffte er im fünften Anlauf und auf Empfehlung des staatlichen Schriftstellerverbandes der Universität Hunan schließlich ohne Prüfung die Aufnahme in die Autorenklasse der Universität, konnte sich aber mit der geforderten Disziplin nicht anfreunden und wurde relegiert. Die 1980er Jahre waren geprägt von Reisen sowie Liaos Aufstieg zu einem der bekanntesten Nachwuchsdichter des Landes. Diese Entwicklung wurde jedoch jäh unterbrochen: In der Nacht vom 3. auf den 4.6.1989, noch vor dem eigentlichen Geschehen, dem Massaker an friedlichen Demonstranten der Demokratiebewegung auf dem Platz des Himmlischen Friedens, schrieb Liao Yiwu in Fuling, östlich von Chongqing in der Provinz Sichuan, zunächst das Gedicht „Massaker“ und später ein weiteres mit dem Titel „Requiem“. Die Kassettenaufnahmen einer Lesung ...